Und tatsächlich kam hier der Sommer von jetzt auf gleich - zumindest für einige Tage - und gab mir daher kaum eine Chance, mich an die ungewöhnten Temperaturen zu gewöhnen.
Denn warm war es auch schon über Ostern, wo ich meinen heutigen Bericht beginnen möchte. Doch während ich mit meinen Freundinnen Michi und Sarah - aus lang vergangenen Schulzeiten – durch Göteborg schlenderte, schien die Sonne wohlig warm, eben frühlingshaft, und nicht heiß. So lernten meine Besucher gleich die schöne Seite Schwedens oder auch die „Sonnenseite“ kennen. Während unserem Abstecher nach Mellerud genossen wir das herrliche Wetter v.a. in einem wunderschönen Naturreservat und später bei meiner Mentorin, wo wir mal wieder einen sehr angenehmen Abend verbrachten. Als krönenden Abschluss erwartete uns auf dem Rückweg nach Mellerud eine besondere Überraschung: ein Elch! Ein richtiger großer Elch in freier Laufbahn! Das war auch das erste Mal für mich und daher etwas wirklich Besonderes. Trotzdem war ich als Fahrer froh, dass wir ihn neben der Fahrbahn antrafen und nicht auf… Nicht umsonst sind SAAB und Volvo so robust gebaut, doch die Auto der Kommune sind seltsamerweise alle der Marke Ford…
Unsere Tour ging weiter nach Stockholm, wo auch ich noch ein paar neue Ecken und schöne Plätze kennen lernte. Neben dem bekannten „Djurgården“, eine auf einer Insel gelegenen Parkanlage, besuchten wir auch das Kindermuseum „Junibacken“, wo wir uns für eine gute halbe Stunde durch die Figuren aus der Astrid-Lindgren-Welt sowie anderer schwedischer Kinderbuchautoren wie Sven Nordqvist („Petterson und Findus“) zurück in unsere Kindheit versetzen ließen.
Es war schön, mal wieder vertraute Menschen um mich zu haben und sich über alte Kamellen und neue wichtige Ereignisse austauschen zu können. Und da der Abschied ja nur auf kurze Zeit war, konnte ich die beiden auch wieder gut gehen lassen.
Der nächste Event ließ auch nicht lange auf sich warten.
Am 30. April wird nämlich hier die Walpurgisnacht oder auf Schwedisch „Valborg“ gefeiert. Große Feuer, Tanzen, Trinken und Feuerwerke stehen dabei auf dem Programm. Um den Punkt „Trinken“ etwas einzudämmen, gab es im neu eröffneten Jugendhaus einen speziellen Abend für Jugendliche. Ein Alkoholtest am Eingang und striktes Alkoholverbot waren Vorrausetzung, um der von den Jugendlichen selbst organisierten Live-Musik lauschen zu dürfen oder zu Party-Musik abgehen zu können. Weil Mareike und ich uns dann doch etwas alt fühlten, fuhren wir später noch zu einem wunderschön direkt am See gelegenen kirchlichen Freizeithaus, wo uns vor dieser traumhaften Kulisse ein beeindruckendes Feuerwerk, Lagerfeuer und ein „Feuer-Wasserfall“ erwarteten. Das war einer dieser Momente, die man gerne ganz fest im Herz verschließen möchte und bei Bedarf wieder hervorholt.
Eine etwas greifbarere Sache, die ich mitnehmen kann, erhielt ich am nächsten Tag. Als Teil der schwedischen Esskultur lernte ich wie man „Smörgåstårta“ macht, mit Hilfe einer anderen lernfreudigen Deutschen, Bärbel aus dem Chor, und unter Anleitung der erfahrenen Schwedin, Anette. „Aha“, denkt ihr vielleicht jetzt, „was soll denn das sein – Smörgåstårta?“. „smörgås“ ist ein belegtes Brot und „tårta“ bedeutet Torte oder Kuchen. Immer noch nicht schlauer? Vielleicht erklären die Bilder und die folgende Erklärung etwas mehr!
Zuerst mischt man Schinken, Eier, Krabben, Gurken, Ketchup, Senf und ganz viel Sahne zusammen. Diese pikante Mischung wird auf und zwischen eine Art deftigen Tortenboden geschmiert, der an Brot erinnert, so dass mehrere Schichten Brot – Füllung entstehen („smörgås“). Das ganze Gebilde wird jetzt von allen Seiten mit Schlagsahne bestrichen und dann geht’s weiter zum Dekorieren: mit Tomaten, Salat, Gurken, Krabben und alles was sich sonst noch gut macht, wird die kalorienreiche „tårta“ verziert. Normalerweise sollte dieses ursprünglich für faule Hausfrauen gedachte Rezept über Nacht zum Durchziehen stehen, aber solange konnten wir natürlich nicht warten und vernichteten das vorzügliche Gericht sofort.
Nicht nur ist Anette meine zeitweilige „Ersatzmama“ geworden, auch Bärbel ist schon fast wie eine „Ersatzoma“. Sie und ihr sympathischer Mann haben mich nun schon häufiger zu sich eingeladen, so dass wir u.a. eine Bootstour über einen kleinen See zu der ältesten Kirche der Region sowie einen langen Spaziergang durch frühlingshafte Blumenwiesen und grüne Wälder machten. Danach gibt’s immer leckeres Essen: frischgefangener Fisch, selbsterlegtes Wild, frischer Salat aus dem Garten und die „guten“ Kartoffeln aus Deutschland (da die beiden auch der Meinung sind, dass die Kartoffeln hier einfach nicht schmecken). Trotz des Altersunterschieds verstehen wir uns sehr gut und ergänzen uns jeweils mit Erfahrung bzw. jugendlicher Leichtigkeit.
Bevor es zum Höhepunkt meines Projektes kommen konnte – die über ein halbes Jahr geplante Europawoche- stand noch ein gefülltes Wochenende bevor.
Das Dalslandorchester, in dem ich spiele, pflegt eine Partnerschaft mit einem deutschen Jugendorchester, das uns an diesem Wochenende besuchen kam. Während des Frühlingskonzerts der „kulturskola“ (eine Art Musikschule) trat das Schulorchester eines Hamburger Gymnasiums auf und ließ mich durch seine hohe Qualität und die Freude der Schüler am Spielen mit etwas Wehmut an mein altes Keplerorchester denken: das zusammen Musizieren, das Gruppenerlebnis und die schönen gemeinsamen Stunden sind mir von dort immer noch in positiver Erinnerung. Sehr beeindruckend war auch das Solo-Konzert einer 17-jährigen Cellistin, die wirklich ausgezeichnet und mit viel Gefühl ein schwieriges Stück spielte.
Am nächsten Tag machten wir mit unseren Gästen eine kleine Tour durch die hiesige Region „Dalsland“, das leider mit Verspätung beginnen musste. Denn irgendwelche - anscheinend sehr reife schwedische Jugendliche - hatten in der Nacht den deutschen Bus mit Steinen eingeworfen, so dass wir morgens erstmal kurzerhand einen Ersatzbus auftreiben mussten. Welch guten Eindruck das auf die Besucher aus Deutschland wohl gemacht hat :)
Die Tour war jedoch ein schönes Erlebnis. Nach einer Bootstour mit Schleusen fuhren wir zu einem schön gelegenen Freizeitzentrum, wo wir bei Sonnenschein traditioneller Musik zuhörten, die einige Mitglieder des schwedischen Orchesters spielten und später von den deutschen Gästen im Gegenzug traditionelle Tänze beigebracht bekamen. Die kannte ich zwar erstaunlicherweise selber noch nicht, aber es war ein sehr amüsantes Vergnügen alle zusammen, egal welches Alter, Geschlecht oder Herkunft auf der Veranda direkt am See herumhüpfen und lachen zu sehen.
Am folgenden Sonntag startete dann endlich die Europawoche!
Wir hatten extra dafür Gäste aus Ungarn, Irland und Estland einfliegen lassen, die bei Gastfamilien einquartiert wurden. Die acht Musiker und Tänzer zwischen 16 und 25 Jahren waren während des Wochenendes eingetroffen und trafen sich dann zum ersten Mal bei der sonntäglichen gemeinsamen Probe. Aus einem Repertoire aus von verschiedenen Ländern kommenden Liedern wählten wir zusammen die für unsere Besetzung passenden aus, schrieben spontane Begleitungen dazu und übten für das Konzert am Montag. Es war schön zu sehen, dass man - obwohl man sich gar nicht kennt, nicht die gleiche Sprache spricht und auch nicht die gleiche Musik spielt - man doch zusammen musizieren kann.
Abends besuchte ich die Ungarn bei ihrer Gastfamilie (die Familie meiner Deutschlehrerin Birgitta), wo wir zusammen aßen, das Gastgeschenk in kleinen Gläsern „hinunterkippten“ und uns mit Händen und Füßen zu verständigen versuchten. Leider sprach nämlich nur einer der vier etwas Englisch und ein Mädchen ein bisschen besser Deutsch.
Beim gemeinsamen Spiel draußen im Garten zeigte sich aber, dass man auch ohne viele Worte sehr viel Spaß haben kann und auch über Blicke und Gesten ganz viel Kommunikation stattfinden kann.
Der „Europatag“ – der 9.Mai - begann in Mellerud mit dem Besuch einer Grundschule, wo wir mit der Hilfe von Freiwilligen aus Åmål mit den interessierten und wissbegierigen Schülern Flaggenspiele, Puzzle und Sprachspiele spielten. Einige der Schüler wussten echt super Bescheid, vor allem über die Farben der einzelnen Flaggen (ob das vom Fußball kommt :), andere hatten von Ländern wie Rumänien noch nie gehört.
Gleich im Anschluss machten sich Adrienn und ich zu einer Rundtour mit unseren internationalen Gästen auf, denen wir die wichtigsten Orte in der Umgebung wie das Aquädukt, die älteste Kirche der Region, das Kunstmuseum und den Hafen Melleruds zeigten.
Ohne Pause ging’s zurück zum Proben, während ich nebenher noch Essen und Flugzeugtickets organisieren musste sowie mein Cello von zu Hause holen sollte. Bevor das Konzert schließlich losging hatte ich geschlagene 10 Minuten Zeit, um nochmals nach Hause zu laufen und mich in Rekordzeit umzuziehen, bevor ich direkt im Anschluss alle Besucher willkommen hieß. Während ich dann mit den anderen auf der Bühne Cello spielte und zwei Solostücke sang, konnte ich mich dann etwas erholen…
Dieser Tag war wohl einer der stressigsten, den ich je erlebt habe. Aber es war ein unglaubliches Gefühl abends nach dem ganzen Trubel, noch einen Spaziergang an nächtlicher lauer Frühlingsluft zu machen und stolz sein zu können, das alles gut geklappt hat.
Am nächsten Tag war eine neue EU-Verfassung beim internationalen Gipfeltreffen in Mellerud an der Reihe. Eigentlich war es nur ein „Verhandlungsspiel“, das ein sehr engagierter Lehrer des Gymnasiums mit seinen Schülern durchführte, um ihnen die EU-Institutionen und die Gesetzgebung näher zu bringen. Aber die Schüler fühlten sich wirklich als „internationale Vertreter“, kamen in Anzug und Krawatte und hielten sehr überzeugte Reden, um ihre jeweiligen Länder auch gut zu vertreten.
Doch nicht nur den jungen Menschen sollte die EU näher gebracht werden, auch die älteren Mitbürger sollten erfahren, dass auch sie „Europäer“ sind. Dazu traten unsere fürs Europakonzert eingeflogene Gäste am Montag und Dienstag in vier verschiedenen Altersheimen auf, wo sie mit Tanz und Musik etwas Abwechslung in den tristen Alltag brachten. Und durch das extra angefertigte europäische Gebäck freuten sich die älteren Menschen bestimmt besonders über den Besuch.
Am Mittwoch bekam die Grundschule Besuch, in der ich selbst für einen Tag in der Woche arbeite. Ich kannte daher einige der Schüler schon und es machte besonders Spaß, weil sie in den Klassen auch selbst mit dem Thema „Europa“ gearbeitet hatten.
Nachmittags waren „Buchtipps zu deutschen Büchern“ dran, die die Freiwillige Jacqueline Weil aus Deutschland in der Bücherei geben sollte… Nach einigem Überlegen und Hilfe durch verzweifelte Facebook-Einträge: „Nennt mir mal GUTE deutsche Bücher“ hatte ich dann doch ein paar gefunden, die ich auf Schwedisch meinen sieben Besuchern vorstellte. Als Verköstigung gab es polnische Süßigkeiten, die eine aus Polen stammende Mitarbeiterin der Bücherei bereitgestellt hatte.
Völlig übermüdet fiel ich danach ins Bett und musste mich am nächsten Tag nur noch um eine Veranstaltung kümmern. Das sollten Vorträge von Sonia und mir als Freiwillige und von meiner Chefin über die Partnerstädte Melleruds werden. Klingt irgendwie langweilig? Das dachten sich wohl auch die Einwohner Melleruds, die wohl noch nicht so EU-begeistert sind wie wir und lieber bei schönem Wetter draußen grillen… Kaffee und Kuchen musste also von den sage und schreibe ZWEI Zuhörerinnen und uns selbst verspeist werden. Und es muss hinzugefügt werden, dass die eine Zuhörerin meine Mentorin Anette war und die andere eine Lehrerin Sonias…
Im Großen und Ganzen lief die Woche aber recht gut, alle geplanten Aktivitäten fanden statt und der Grundstein für die nächsten Jahre ist auf jeden Fall gelegt. Sogar die lokale Zeitung berichtete mehrmals darüber, was hier in Mellerud schon viel zu bedeuten hat :)
Zwar war die Europawoche vorbei, doch stand am Wochenende noch das letzte Konzert mit meinem Orchester an. Zusammen mit professionellen Musikern eines Barockorchesters spielten wir einige Stücke aus verschiedenen Zeiträumen der Epoche. Es macht richtig Spaß, da die Profis uns vorher Tipps zur barocken Spielweise gegeben hatten und uns mit ihrer Begeisterung für diese Musik ansteckten.
Nach dieser vollgepackten Woche gönnte ich mir zusammen mit Mareike erstmal eine kleine Auszeit. Wir fuhren für drei Tage nach Oslo, um mit den - wie wir feststellten – verrückten Norwegern deren Nationalfeiertag zu feiern. Am 17. Mai standen wir dann also wie jeder normale Norweger ab morgens um neun bereit, um uns den Umzug der Osloer Schulen anzuschauen. Das hieß konkret: vier Stunden lang Kinder an uns vorbeilaufen sehen, die alle mit Fahnen geschmückt und teilweise in prächtigen alten traditionellen Trachten gekleidet waren, das ganze begleitet von Marschmusik. Interessant war dabei, dass die Schulen aus den Innenstädten meist nur aus Schülern mit Migrationshintergrund bestanden, so dass manchmal nicht ein einziges Kind aussah, wie man sich einen typisches Norwegerkind eben vorstellt (blond, blaue Augen und hellhäutig). In den Schulen der Vororte, wo die meisten eher wohlsituierten Norweger wohnen, wurde unser Vorurteil dann schon eher bestätigt und wir suchten teilweise vergeblich nach Kindern MIT Migrationshintergund.
Als wir dann wohl alle Kinder gesehen hatten, die es gefühlt in ganz Norwegen gibt, zogen wir gut getarnt mit Norwegerflagge Richtung Schloss. Dort winkten wir dann ebenso begeistert wie alle anderen dem König und seiner Familie auf dem Balkon zu, die wirklich nur ca. 100 Meter entfernt von uns waren, so dass man sie beinahe erkennen konnte – so viel Nähe zum Volk kann einen kurzzeitig schon auch mal in Begeisterung versetzen.
Danach war entspanntes Schlendern durch die Stadt, Eis essen und Leute betrachten angesagt. Den Tag ließen wir während eines von vielen Konzerten in einem Stadtpark ausklingen.
Frisch und munter ging’s am nächsten Tag noch zu einer Stadtbesichtigung, die aus Schlosspark, Rathaus, Hafen, Vigeland-Figurenpark und Festung bestand, bevor wir dann wieder Richtung „Heimat Schweden“ abzogen.
Die nächste Reise stand aber schon wieder direkt vor der Tür. Mitten in der Nacht startete ich mit Politikern und bekannten Persönlichkeiten aus Åmål Richtung Brüssel – zu einer von meiner Koordinierungsorganisation organisierten Bildungsreise. Ich hatte das Glück, dort einen freien Platz ergattern zu können und so die Chance zu bekommen, die EU-Kommission und das EU-Parlament von innen zu besichtigen, mehreren mehr oder weniger interessanten Präsentationen zu EU-Themen zu lauschen - die aus Bequemlichkeit leider auf Schwedisch gehalten wurden - in einem edlen Restaurant ein von der EU bezahltes Dreigängemenü zu verspeisen und in einem von der EU gesponserten Doppelzimmer für mich allein (genauso wie jeder andere der restlichen 24 Teilnehmer) zu nächtigen und abends das Brüssel abseits von riesigen modernen EU-Bürokomplexen zu entdecken. Die Stadt gefiel mir wirklich richtig gut. Teilweise erinnerten mich die vielen kleinen Sträßchen an eine französische Kleinstadt und der überall herrschende „Mulit-Kulti-Flair“ spiegelte sich nicht nur in den ganz verschiedenen Arten von Menschen wieder, sondern auch im bunten Mix heruntergekommener renovierungsbedürftiger Gebilde, moderner Hochhäuser, historischer Gebäude und „normaler“ Wohnhäuser. Das sonnige Wetter ließ alles in einem noch schöneren Licht erscheinen und gab uns die Möglichkeit, den berühmten, aber winzigen „Menneken“ beim Pinkeln zu bestaunen, uns in herrlichen Schokoladenläden mit belgischer Schokolade einzudecken, durch die Gassen zu schlendern - und dabei nahezu allen 23 offiziellen EU-Sprachen lauschen zu können - und draußen in einem Café genüsslich ein köstliches „Kirschbier“ zu schlürfen. Natürlich auf Kosten der EU :)
Um den Reisereigen zu beenden, machte ich mich noch einmal auf, ein noch unentdecktes EU-Land zu entdecken: Schottland! Die Reise mit meinem Chor führte uns auf einer Rundtour durch kleine Orte und auf mehrere Inseln, mitten durch die wunderschöne grüne Hügellandschaft - natürlich voller Schafe! Der obligatorische Besuch in einer Whiskey-Destillerie durfte natürlich auch nicht fehlen, wo sich die begeisterten Schweden nicht nur für zuhause sonder auch für die langen feucht-fröhlichen Busfahrten ausstatteten, auf denen auch lauthals und fröhlich gesungen wurde. Wir sangen nur ein „offizielles“ Konzert, das in einer kleinen Dorfkirche statt fand, wegen deren Größe wir uns schon über unsere 20 Besucher freuten. Diese waren ihrerseits total begeistert von unserem einstündigen Gesang und bewirteten uns danach noch liebevoll mit ungefähr hundert selbstgebackenen Kuchen und Sandwichs. Unser Auftritt war eindeutig etwas Besonderes und eine ungewöhnliche Abwechslung im schottischen Kleinstadtleben, was wir auch in den lebhaften Gesprächen während des Kaffeetrinkens heraus hören konnten.
Die Chorfahrt war gleichzeitig auch mein Abschied von meiner Tätigkeit als Gastsängerin dort. Es war wirklich unglaublich wichtig und gut für mich, während dieses Jahres das Singen als etwas sehr vertrautes und als Teil meines Lebens weiter führen und dadurch gleichzeitig auch sehr nette und offene Menschen kennen lernen zu können. Außerdem hat das Singen auf Schwedisch meinen Schwedischkentnissen eine große Hilfe geleistet!
Nicht nur vom Chor hieß es bisher Abschied nehmen: mein letzter Tag im Altersheim und auch in der Grundschule sind nun schon vorüber und auch meine Schüler aus dem Deutschunterricht musste ich verabschieden.
Da sie im letzten Jahr des Gymnasiums sind, haben sie nun das „Abitur“ gemacht, oder wie es hier heißt „studenten“. Das wurde mit einem festlichen Essen in der Schule gefeiert, nachdem die Schüler dann „entlassen“ werden. Jungs in Anzug und Mädels in weißen Kleidern, mit ihren „Student“-Mützen ausgestattet, laufen sie aus dem Schulgebäude, wo sie draußen von Familie und Freunden mit großen „Grattis“-Schildern („Glückwünsch“) erwartet werden. Von allen bekommen die frisch gebackenen „Studenten“ Blumen, Glückwunschkarten, Kuscheltiere, Luftballons und aufblasbare Dinge um den Hals gehängt, so dass sie nachher alle total gebückt laufen. Dieser schwere Halsbehang wird abgenommen, bevor sie alle auf mehrere Wägen steigen, um durch die Stadt zu fahren - mit lauter Musik, Gekreische und natürlich den nötigen Getränken. Danach gehen alle nach Hause, um mit ihren Gästen etwas zu feiern und Geschenke auszupacken.
Auch ich durfte an einer solchen Feier teilnehmen, da mich ein sehr nettes Mädchen aus dem Orchester, die auch meinen Deutschunterricht besuchte, dazu eingeladen hatte. Mit ihr ging ich danach noch zur abendlichen Feier in der örtlichen Disko, wo natürlich nur „Studenten“ und feierlustige junge Menschen erwünscht waren.
Zum Glück zählte ich mit meinen 20 Jahren auch noch dazu…
Mein Geburtstag musste natürlich gebürtig gefeiert werden, da ich nun endlich auch hier in Schweden härteren Alkohol kaufen kann… Die Feierei startete am Abend vorher in Åmål mit den Freiwilligen, wurde bei einem stärkenden, geburtstagswürdigen Frühstück - natürlich MIT Gewürzkuchen – fortgesetzte und führte über Spaziergänge an schönen Plätzen in der Natur bis zum Besuch bei meiner Mentorin, die uns mal wieder mit leckerem Essen verwöhnte und wir im Whirlpool bei Regen draußen den Tag dann zu einem sehr schönen Ende führten.
Auch das Jahr hier in Schweden werde ich bald zu Ende führen. Es fühlt sich noch sehr komisch an, dass meine Freiwilligentätigkeit und das Leben hier bald einfach zu Ende sind und ich einen komplett neuen Lebensabschnitt beginnen werde.
Aber erstmal freue ich mich noch auf die letzten paar Wochen, die ich mit Besuchen und Urlaub sehr genießen werde!
Ihr seid meine Blogeinträge also noch nicht ganz los, einen wird’s wohl noch geben :)
Alles Liebe und bis zum nächsten Mal,
eure Jacqueline