Dienstag, 31. August 2010

Liebe Kinder!
Heute hab ich euch ganz viel zu erzählen. Also hört gut zu und setzt euch brav hin!
Die letzte Erzählstunde ist ja schon eine Weile her und seitdem ist eine Menge passiert! Hier kommt also eine neue, spannende Geschichte für euch!

Die uns wohl bekannte Jacqueline erlebte nach der letzten Geschichte allerlei Langweilige, aber auch viele gute Momente.

So verbrachte sie in der ersten Woche einige nutzlose Stunden im vertrauten Ort der Arbeit, liebevoll genannt „Medborgarkontoret“ und litt ein wenig unter dem Phänomen Langweile.
In ihrer freien Zeit unternahm sie jedoch einen Ausflug auf dem schon bekannten kleinen Boot auf dem großen, großen Vänernsee. Diesen spannenden Ausflug unternahm sie mit den wenigen noch verbliebenen Freiwilligen aus dem schönen Åmål, die sie dann am Freitag alle verabschieden musste, da sie jeweils in ihre Heimatländer zurückkehrten.
So blieben also nur noch Jacqueline und die euch auch schon bekannte Sonia zurück.
Glücklicherweise verstanden sich die beiden in dieser Woche erstmals sehr gut und Jacqueline bekam ein wenig Zuversicht, dass sie vielleicht doch ein paar schöne Momente zusammen verbringen würden.

Jedoch machte Jacqueline trotzdem allein an einem der wenigen warmen und sonnigen Tage einen kleinen Ausflug zum großen, großen Vänernsee und stürzte sich trotz der Eiseskälte mutig in die Fluten.
Am gleichen Tag entdeckte sie, wieder allein, den einzigen Laden für Kleidung in ihrem Städtchen Mellerud. Jedoch wurde sie positiv überrascht, da dieser Laden ausschließlich Kleidung ihrer Lieblingsmarke verkauft und sie so durch günstigen „REA“ gleich zwei Kleidungsstücke gegen wenige Kronen tauschen konnte.

An dem milden Sonntagabend der gleichen Woche sah Jacqueline dann ihre Eltern wieder und freute sich unglaublich darüber, vertraute Menschen umarmen zu können. Sie beherbergte diese für eine Nacht, so dass sie einen sehr schönen Abend verbringen konnten. Jacqueline kochte ein original schwedisches Gericht - vielleicht kennt ihr es ja zufällig, es heißt „Köttbullar“ und man isst es mit Kartoffelbrei, Preiselbeermarmelade und einer Zwiebelsoße. Jacqueline und ihre lieben Eltern verdauten diese leckere Speise dann während eines Besuchs des großen, großen Vänernsees.

Der Anfang der nächsten Woche verging wie im Flug, da Jacqueline schon am Mittwochabend abgeholt wurde, um einige sehr schöne Tage im Schoß der Familie in einem kleinen niedlichen Häuschen nahe eines nicht ganz so großen Sees zu verbringen.
Jacqueline genoss die Tage - trotz einiger kleiner Meinungsverschiedenheiten zwischen den
Familienmitgliedern - sehr.

So besuchte die ganze Familie einen Elchpark und konnte dort vier Monate alte ganz kleine Elche und vier Jahre alte ganz große Elche sehen und sogar streicheln. Das Fell ist ganz ölig, damit schützen sich die Könige des Waldes nämlich vor Kälte und Insekten!
Jacqueline erfuhr nun auch von dem erfahrenen Elch-Führer, dass sich Elche mit Äpfeln betrinken und sich dann kaum noch auf ihren sehr schmalen und langen Beinen halten können. Und dass man, wenn man einen Elch im Wald trifft, eigentlich nur eines tun sollte: „Run!“ Denn wenn sie auch noch so süß aussehen, liebe Kinder nehmt euch in Acht, sie sind einfach größer und stärker als ihr. Und wusstet ihr, dass Elche sehr gute Schwimmer sind? Es kann also durchaus mal der Fall eintreten, dass ihr während eines Bades in einem See einem schwimmenden Elch begegnet!


Mit ihrer Mama besuchte Jacqueline am nächsten Tag noch zwei wunderschön gelegene Kirchen, eine davon befand sich auf einer kleinen Halbinsel von atemberaubender Schönheit. Dort verbrachten sie einige Zeit und genossen die Schönheit der Natur. Dort trafen sie dann auch eine Gruppe von Kajakfahrern, die ebenfalls aus dem Land zu Deutsch stammten. Die zweite Kirche war ein sechseckiges Gebäude mit tollem Blick auf Seen und Wälder.

Jacquelines ganze Familie machte sich dann am Sonntag auf, die nette Anette mit ihrem Mann in ihrem Schloss Hjorton zu besuchen, wo sie sehr freundlich mit einem köstlichen Mahl und einer Führung durch die Ländereien empfangen wurden. Jacqueline freute sich, dass ihre liebe Ersatzmama und ihre Familie sich treffen konnten, wobei beide Seiten glücklicherweise sehr angetan von der jeweils anderen zu sein schienen.

Dann war für Jacqueline die Zeit gekommen, sich von ihren lieben Eltern und ihrer geliebten kleinen Schwester zu verabschieden. Damit Jacqueline nicht allzu traurig zu sein brauchte, erbarmte sich ihre große Schwester Hanna, ihr noch einige Tage Gesellschaft zu leisten.
Auch wagten sich zwei mutige Ritter namens Hannah und Ben aus dem fernen Land zu Deutsch, den langen und beschwerlichen Weg nach Mellerud zu bewältigen. So genoss Jacqueline also vier sehr schöne Tage in lieber Gesellschaft, in denen vorzüglich gespeist, gespielt, gelesen, und geredet wurde. Ach Kinder, diese Alliterationen…

Diese Gesellschaft wurde dann auch Zeuge von einigen Erneuerungen, die Jacqueline noch heute erquicken. So hat sie nun einen kleinen Ofen, einen Toaster, eine Kommode für ihre Klamotten (ja, Kinder, ihr habt richtig zugehört, Jacqueline konnte nach über einem Monat endlich ihren Koffer auspacken) und sie darf umsonst das sehr nah gelegene Schwimmbad besuchen.

Auch entdeckte Jacqueline voller Freude, dass das doch so kleine Mellerud tatsächlich ein Lichtspielhaus besitzt, das gar nicht mal so klein ist. Und dank Filmen in Originalsprache - stellt euch vor, nicht alle Länder machen es ihren Fernseh- und Kino-Konsumenten so leicht und synchronisieren jeden Film und jede Serie - konnte sie sogar ein wenig von dem nicht ganz so anspruchsvollen Film Sex & The City 2 verstehen.

Leider verbrachte Jacqueline das letzte Wochenende mal wieder etwas allein. Doch sie hofft nun, dass die bald ins Åmål eintreffenden neuen Freiwillige sympathisch und offen sind, so dass sie endlich neue Freundschaften schließen kann.
Sonia, Jacqueline und die „Neuen“ werden auch zusammen die lange Reise nach Stockholm unternehmen, um dort nächste Woche das als Einstiegsseminar gedachte Treffen aller gleichgesinnten EFD-Freiwilligen aus dem großen Schweden zu erleben.

Eine frohe Botschaft, liebe Kinder, hab ich euch noch zu berichten. Jacqueline hat es nämlich durch ein scheinbar annehmbares Vorsingen bei einem Mann namens Anders geschafft, in den kleinen Kirchenchor einzutreten, dessen stolze Mitsänger ein Durchschnittsalter von 50,3 Jahren haben. In diesem goldigen Chor wird ein Medley von euch sicher gut bekannten Disney-Songs gesungen, was Jacqueline eine Menge Spaß macht. So kann sie jetzt beinahe schon „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ auf Schwedisch singen. Den Einstieg erleichtern ihr dabei aber auch einige englische Lieder.

Zur schweren Arbeit, die Jacqueline verrichten muss, lässt sich nicht allzu viel mehr sagen, als in unserer letzten Geschichte. So langweilt sich Jacqueline zu ihrem Missfallen das eine oder andere Mal immer noch. Von ihrer überaus großzügigen Chefin Carina hat sie jedoch jetzt den wichtigen Auftrag bekommen, einen Vortrag über ihr geliebtes Land zu Deutsch vorzubereiten. Und damit Jacqueline ja nicht mehr so schnell nach neuen nicht vorhandenen Aufgaben fragt, soll sie auch noch zusammen mit Sonia eine Kurzpräsentation über die zwei Partnerstädte Melleruds in Italien und Estland vorbereiten. Jedoch verhindern diese gnädigen Aufgaben Jacqueline nicht daran, sich zu fragen, ob sie im Medborgarkontoret wirklich so dringend gebraucht wird. Nach dem Rat ihrer weisen und erfahrenen großen Schwester grübelt Jacqueline jetzt ab und zu über eigene Vorschläge, die sie vielleicht umsetzen kann.
Bisher immer noch vergeblich wartet Jacqueline auf das Lernen der fremden Sprache ihres neuen Heimatlandes. Jedoch fand zumindest schon mal eine Anmeldung dafür statt.

Weil jede Geschichte ein Happy End braucht, dürft ihr euch Jacqueline trotzdem nicht hoffnungslos vorstellen. Zwar macht sie sich die einen und anderen Gedanken über die Zukunft und ihre derzeitige Situation, doch schöpft sie durch schöne Momente immer wieder neuen Mut.
So saß sie gestern auf einer sonnenbeschienenen Bank auf dem lauschigen Friedhof der nahen Holms-Kirche und lauschte dem Plätschern des kleinen Springbrunnens, während die Natur ihr neue Kraft gab. Und wenn ihr nun genau hinhört, liebe Kinder, dann könnt ihr vielleicht auch das sanfte Geräusch des fallenden Wassers hören…

Sonntag, 8. August 2010

Hej hej!

Jetzt sind schon fast zwei Wochen seit meinem letzten Post vergangen… Jedoch bestätigt das natürlich nur meine Aussage: die Zeit vergeht wie im Flug!

Ich muss wohl aber erstmal in meinem Gedächtnis kramen, was denn in den letzten beiden Wochen so Wichtiges und Unwichtiges passiert ist.


Vielleicht fang ich mal mit den Rahmenbedingungen an. Denn für alle, die sich gedacht haben: „Was macht die da eigentlich, fängt immer erst mittags um 12 an zu arbeiten und hat noch nicht mal viel zu tun!“ Also letzte Woche begann mein harter Arbeitstag immer schon um 10.00 Uhr! Jedoch arbeitete ich nur eine Stunde mehr pro Tag, da ich nun auch in den Genuss einer einstündigen Mittagspause kam. Und zum Thema „nicht viel zu tun“… Da hat sich leider nicht sehr viel geändert. Nach wie vor ist es total davon abhängig, wie viele Leute das Büro aufsuchen und wer genau eine Frage stellt. Mittlerweile weiß ich die Zeit aber zu nutzen und beantworte (erlaubterweise!) Mails und lerne schwedische Vokabeln.

So habe ich beispielsweise erfahren, dass „Hur gammal är du?“ nicht etwa „Wie vergammelt bist du?“ heißt, was ein Laie vielleicht anfangs denken könnte. Oh nein, es heißt schlicht und einfach „Wie alt bist du?“. Dementsprechend ist ja wohl auch klar, dass die Urgroßmutter „gammelmormor“ heißt!


Einige Zeit verbrachte ich auch damit, mich in ein Austauschprojekt Jugendlicher einzulesen, dass im September hier satt finden soll. Irische Jugendliche zwischen 13 und 17 werden für zehn Tage nach Mellerud kommen und zusammen mit der gleichen Anzahl schwedischer Jugendlicher Workshops machen, jeweils ihre Heimatländer vorstellen und als Abschluss ein Theaterstück mit dem Titel „From Myths To Eternity“ aufführen. Die Requisiten und Kostüme stellen sie dabei selber her und übernehmen auch Teile der Projektorganisation. Es klingt ziemlich interessant, jedoch ist mir leider nicht ganz klar, was für eine Rolle Sonia und ich darin übernehmen sollen und ob wir dort überhaupt einen sinnvollen Beitrag leisten können. Im Moment lässt sich das auch nicht herausfinden, da meine Vorgesetzte Carina gerade im Urlaub ist - und sie die Einzige ist, die mir da weiterhelfen könnte.

So profitierten dann doch eher die Menschen in Deutschland von meiner Arbeitszeit, was sich in ungewöhnlich schnellen Antworten auf Mails bemerkbar macht.


Da ich bis vor zwei Tagen immer noch kein Fahrrad hatte fühlte ich mich doch sehr unmobil.

Um wenigstens ein bisschen was von der Sonne mitzubekommen, beschloss ich an einem der wenigen sonnigen Abende mir ein Buch und ein kleines Picknick zu schnappen und einen Park o.Ä. zu suchen. Und ich wurde fündig! Jedoch waren die einzigen Lebewesen, die sich ebenfalls dort aufhielten mehrere seltsame Vögel, die wie ein Mischmasch aus Rabe, Möwe und Taube aussahen und die ganze Zeit um mich herumstaksten. Hin und wieder erschreckten sie mich mit lautem Gekrächze und ich bin mir sicher, dass sie einfach nur scharf auf die Krümel meines mitgebrachten Knäckebrots waren!


Ich leide allgemein ziemlich an Bewegungsmangel, da mein Tagesablauf sich meistens wie folgt gestaltet: aufstehen, am Frühstückstisch sitzen, zur Arbeit laufen, am Computer sitzen, in der Mittagspause den kurzen Weg zu meinem Apartment und wieder zurück laufen, am Computer sitzen, nach Hause laufen, den Abend sitzend und später liegend verbringen.

Daher beschloss ich dann an einem anderen Abend, trotz meiner Abneigung gegen Spaziergänge, einen solchen zu machen. Jedoch lief ich nicht so lahm, wie man das bei Spaziergängen macht, sondern schnell! Also war es eigentlich gar keine Sapziergang…

Hatte vorher Charlotta nach einem geeigneten Rundgang gefragt, so dass ich letztendlich an der Straße entlang zu einer nahen Kirche mit sonnenbeschienenem Friedhof lief und durch ein kleines Industriegebiet und einen mir noch unbekannten Teil Melleruds zurück.

Dabei fiel mein Blick auf hellgrüne Felder, vereinzelte Bäume mit lilafarbenen Blumenteppichen und das beste: auf drei Rehe, die einfach so am Wegesrand standen und mich starr und stumm anglotzten!

Ich genoss es, mal etwas anderes zu sehen und über Melleruds Tellerrand hinauszuschauen… Ich sog den Geruch frisch gemähten Grases auf und spürte ein länger vermisstes Glücksgefühl, das mich den Abend und den nächsten Tag lang begleitete.



Auf das Wochenende muss ich dann wohl dann doch genauer eingehen, schließlich fand da das von allen heiß ersehnte KAOS-Musikfestival statt!

Für Melleruds Einwohner war es wirklich ein richtiges Event, so dass Menschen allen Alters sich trotz Regen und Kälte dort einfanden. Aber ohne Regen und Matsch würde bei einem Festival ja auch was fehlen…

Es spielten viele kleine Bands der Region, aber auch zwei oder drei international bekanntere Bands, so dass ich sogar ein Band kannte. Aber nicht nur das überrascht mich, sondern auch die hohe Qualität der Konzerte unterschiedlichster Musikrichtungen. Von Rock über Pop, Metal und HipHop-Rap war so gut wie alles dabei und ich genoss es sehr, den verschiedenen Klängen und Melodien zu lauschen.


Doch das Festivalwochenende brachte nicht nur an den zwei Tagen selbst, sondern auch schon die ganze Woche davor ziemliche Abwechslung. Schließlich verkaufte das Büro, in dem ich arbeite, auch Tickets für das KAOS! So verbrachte ich also eine Menge Zeit damit, Eintrittskarten zu verkaufen und so auch ein paar Bewohner Melleruds kennen zu lernen. Und sehr erfreute mich die Erkenntnis, dass es hier anscheinend auch ein paar junge Leute gibt! Denn normalerweise sehe ich auf den Straßen nämlich eher alte Menschen mit Rollatoren oder Familien mit Kindern.


Der Sonntag des KAOS-Wochenendes wurde von mir sehr genutzt, schließlich putzte ich mein ganzes (riesiges!) Apartment, ging spazieren und führte ein paar Tests zur Studien- und Berufswahl durch. Da die Ergebnisse sehr amüsant waren, will ich sie euch natürlich nicht vorenthalten! So waren zwar interessante Studiengänge wie Erziehungswissenschaften oder Sozialwissenschaften dabei, jedoch wurde mir auch ein Studium der Mathematik vorgeschlagen. Wenigstens konnte ich mir darunter aber noch mehr vorstellen als unter slawistischer Philologie oder Russischer Kultur! Der Test ist wohl noch nicht ganz ausgereift.


Die letzte Woche ging wirklich sehr schnell vorbei. Am Donnerstagabend wurde ich nämlich von meiner Cousine Verena und ihrem Freund Jan abgeholt, die ca. eine Stunde von Mellerud entfernt ihren Urlaub verbringen. Obwohl sie bei der Buchung noch nicht wussten, dass ich ganz in ihrer Nähe sein werde, haben sie mich doch für zwei Tage in ihr kleines Ferienhaus eingeladen. So durfte ich also den Donnerstagabend, den Freitag und den Samstagmorgen mal wieder mit vertrauten Menschen zusammen verbringen! Auf dem Programm standen frühmorgendliches Schwimmen - bei Regen - im nahen See und Besuch eines Wikingermarkts und der Westküste. Dabei wurde ich die ganze Zeit über durch leckeres Grillen, Spaghetti Bolognese und köstlichen Pfannkuchen mit mühevoll selbstgepflückten Blaubeeren gemästet!


Daher trat ich dann am Samstag - immer noch satt - für vier Stunden im Touristenbüro an. Das Arbeiten lässt sich wohl am einfachsten mit den Adjektiven ruhig und entspannt beschreiben!


Ganz im Gegensatz zum Rest des Tages, an dem ich sehr gut beschäftigt war. Erst ging es für eine Stunde auf einen nahen Handwerkermarkt mit selbstgemachten Kunstgegenständen und Lebensmitteln wie Honig oder den berühmten Haferkeksen. Ich kaufte nichts, doch nahm ich eine Begegnung mit einer älteren Frau mit, die sich sehr dafür interessierte woher wir kamen und uns an ihrem Stand mit dicken Wollsocken, Handschuhen und Wollmützen vor dem sehr kalten Winter warnte. Im Angesicht des wirklich schönen Wetters ließ sich das nur schwer vorstellen, aber ich werde es ja schon allzu bald selbst erleben. Und dann denk ich vielleicht an die Frau mit den wärmenden Handschuhen zurück und frage mich, warum ich sie damals nicht gekauft habe…


Das Geld investierte ich aber lieber für eine Hin- und Rückfahrt nach Åmål, da dort am Abend eine kleine Abschiedsparty für Leonie und einen anderen Freiwilligen stattfand, die beide im Laufe der nächsten zwei Wochen ihre Projekte beenden und nach Hause fahren werden.


So machten sich also zwei Fremde, genannt Sonia und Jacqueline, aus dem kleinen Mellerud auf ins ferne Åmål, um dort auf mehrere Einheimische zu stoßen, die sie mit einem fremden Willkommengeschenk namens „Erdbeerdaiquirie“ in ihren Kreis aufnahmen und sie in einem am heimischen See liegenden Treffpunkt zu rhythmischen Tanzbewegungen zu teils guter Musik animierten. Aus lauter Gastfreundschaft boten sie ihnen dann eine Herberge für die Nacht, in dessen Genuss die zwei Fremden für wenige Stunden kamen, um sich dann abermals in ihr vertrautes Mellerud zu begeben, um dort am nächsten Morgen rechtzeitig anzukommen.


Rechtzeitig? Warum sollte man an einem normalen Sonntagmorgen eine Vereinbarung haben? Und warum sollte man dafür vorher ganz viel einkaufen? Grund dafür war ein gemeinsames Frühstück mit Freunden, vereinbart um 10.00! So standen auf meinem Tisch alle möglichen Leckereien wie selbstgemachter Obstsalat, frische Brötchen, Lachs, Rührei mit Speck und heiße Schokolade bereit. Doch das war alles nur für mich! Schließlich saßen meine Frühstücksmitkumpanen 1521 km weit von mir entfernt an einem anderen Tisch. Skype ermöglicht doch so einiges!


Mittlerweile sitz ich immer noch satt und etwas müde an meinem Tisch und lausche bei offenem Fenster dem idyllischen – sehr lauten – Vogelgezwitscher, besser passt wohl Gekrächze, und den noch lauteren Tönen der Motorroller, die gefahren von gelangweilten schwedischen Jugendlichen, durch die Straßen Melleruds rasen. Und dabei gefühlte 10mal durch die Norra Kungsgatan…


Aber da ich ja seit zwei Tagen endlich ein Fahrrad besitze, hab ich nun auch die Möglichkeit, in wirkliche Idylle zu flüchten! Denn auch Mellerud ist idyllisch, keine Frage. Aber vielleicht nicht ganz die Art von Idylle, die man sich vorstellt. Für mich ist es schon ungewohnt, in einem so verschlafenen Städtchen gelandet zu sein. Das liegt aber auch mit daran, dass ich außer Sonia noch keine Menschen in meinem Alter oder mit meinen Interessen näher kennen gelernt habe. Ich hoffe wirklich sehr, dass ich durch Aktivitäten wie Chor, Orchester oder meine Arbeit etwas mehr Anschluss finde. Das wird sich aber wohl erst in den nächsten Wochen, wenn ich diese Aktivitäten dann wenn möglich auch ausführen kann, herausstellen.


Bis dahin erwarten mich aber noch ein paar Tage mit meiner ganzen Familie zusammen, auf die ich mich schon sehr freue!


Ich bin in Gedanken oft bei euch und wünsche euch eine wunderschöne Woche, wo immer ihr auch seid und was auch immer ihr alle macht!

Mit liebsten Grüßen,

eure Jacqueline